Namensforscher erklärt woher Dinglinger Namen kommen

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21. Februar 2016
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Namensforscher erklärt woher Dinglinger Namen kommen

kunze

Jetzt wissen die Dinglinger endlich, wie sie zu ihren Namen gekommen sind. Der renommierte Namensforscher Konrad Kunze hat am Mittwochabend im Saal der Luthergemeinde einen seiner beliebten Vorträge gehalten. Eingeladen hatte die Bürgergemeinschaft Dinglingen.

Gut 90 Minuten klärte Konrad Kunze die Zuhörer über ihre Geschichte auf – besser: über die ihrer Familiennamen. Wobei er die eigentlich trockene Materie amüsant an den Mann und die Frau brachte. Die Dinglinger wissen nach diesem Vortrag, wie sie Menschen allein dem Namen nach ihrem Ursprungsort, dem Beruf, Charakter oder Aussehen zuordnen können – besser: dem ihrer Ahnen.

Im Süden werden die Namen kürzer

Eigentlich ist die Regel laut Kunze ganz einfach: Da wurde vor rund 800 Jahren – als es nicht mehr ausreichte, einen jungen Mann beispielsweise als den Sohn vom Jacob zu bezeichnen – ein Nachname angehängt: in diesem Fall zum Beispiel »Jacobson«. Je weiter es in den Süden ging, desto kürzer wurden die Namen. »Mir im Süde sin halt e bissle sprechfaul«, erklärte der Professor verschmitzt.

Im Vortrag ging es aber nicht nur um die Müllers, Meiers, Schmidts und Schreiners. Kunze hatte sich in Vorbereitung des Abends ganz besonders der Dinglinger Namen angenommen. Wer Herr oder Mann heißt, weiß jetzt, dass sein Vorfahre »ein halbiertes Hermännle« und ein Wöhrle ein »Wernerle« gewesen sein muss. Und die Dinglinger wissen nun, dass es »eine ganze Reihe halber Namen« gibt – so wie Boos, Hey, oder Woop. Die Oberles stammen von einem »Albert« ab, und »die hocke alle hier«, so Kunze.

Viele Namen gehen auf körperliche Eigenschaften zurück

Der Namensforscher hatte auch den zärtlichsten Namen und den kürzesten Frauenvornamen auf Lager: Der »Heinzelmann« oder »Heitzelmann« etwa »ist die zärtliche Form von Heinz«, sagte er. Wohingegen es schwierig sei, »Ruth« zu verniedlichen.
Besonders lustig fanden die Zuhörer die Bedeutung von Namen, die einst nach körperlichen Merkmalen oder Charaktereigenschaften zugeordnet wurden. Die Ahnen der Schilli, Schili und Schüli hatten laut Kunze einen Silberblick: »Die haben geschielt.« Die Schaubs waren dünn; und wer es etwas netter meinte, nannte sie auch »Schäuble«.

Weitere Erklärungen Kunzes: Der Schwind war schnell und tüchtig, der Holzer hatte einen Holzfuß, der Schell oder Schelling war ein Angsthase oder furchtbar schreckhaft. Kunze erklärte das Meier-Loch in der Mitte Deutschlands, das durch die Lehmanns gestopft wird und das Phänomen, dass manche Namen nur in einer begrenzten Region vorkommen. So wie beispielsweise die Frenks. Das sei ein typisch badischer Name, der sich aus der Kirmes-Distanz heraus entwickelt habe – also aus der Tatsache, dass die jungen Bauern nur bis zur nächsten Kirmes kamen, dort ein Mädchen kennen lernten und heirateten. Und dann gibt es noch die Haas oder Hase, die laut Kunze besonders kinderreich waren, sich vermehrt hätten wie die Karnikel.

Auch nach Geburtsort benannt

Haiko Holland, Vorsitzender der Bürgergemeinschaft Dinglingen, hatte auch einen der letzten »echten« Dinglinger eingeladen, der allerdings an diesem Abend nicht teilnehmen konnte. Der Mann heißt Dinglinger und muss laut Kunze einen Urahn haben, der irgendwann einmal aus dem Ort »abgehauen« sei. Denn früher sei man auch nach dem Geburts- oder letzten Wohnort benannt worden. Die noch lebenden Dinglingers seien nachweislich alle miteinander verwandt, las Kunze aus dem Antwortbrief vor.

Autor: Jacqueline Meier

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